Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
RSSPrint

Projekt Stolpersteine

 

Stolpersteine für Familie Behrendt

Am Sonnabend, 1. April um 15 Uhr, verlegt Michael Rohrmann vor der Cimbernstraße 3 in Nikolassee die Stolpersteine für Walter, Gertrud, Heinrich, Peter und Johanna E. Behrendt.

Walter Behrendt gründete 1919 mit einem Partner die Firma Behrendt & Bernstein. Dieser Betrieb für Damenmoden hatte seinen Standort in der Kronenstraße ín Berlin-Mitte, nahe dem bekannten Konfektionsviertel. Er florierte in den Zwanzigern, überstand die Wirtschaftskrise, kam aber als „jüdisch“ ab 1933 in ernste Schwierigkeiten. Walter Behrendt, inzwischen Alleininhaber, gab Mitte 1936 auf.Die Familie floh nach Holland. 1942, nach dem Überfall durch deutsche Truppen, zog sie unter Zwang nach Amsterdam und wurde kurz darauf in Westerbork interniert. Deportiert wurden Walter und Gertrud Behrendt schon im April 1943; ihre Kinder Heinrich, Peter und Johanna blieben zurück und sahen ihre Eltern nie wieder.
Diese kamen zunächst nach Theresienstadt, wurden dann nach Auschwitz verbracht und im März 1944 ermordet. Die Geschwister folgten im Herbst 1944 – zunächst gemeinsam nach Theresienstadt, die Brüder dann weiter nach Auschwitz. Heinrich wurde 1945 ins KZ Dachau verlegt, wo er 22-jährig starb. Peter gelangte zurück nach Holland, erlag aber im November 1945 den Folgen der Haft. Johanna, seine Zwillingsschwester, erlebte die Befreiung durch die Amerikaner. Sie ging 1948 in die USA, begann ein Germanistik-Studium an der Columbia-University und wurde Universitätsdozentin. Johanna E. Behrendt starb 2004 mit 80 Jahren in Santa Barbara.


„Hier wohnte …“ oder Denkmale für Nachbarn

Sie sind klein und unscheinbar, aber sie halten die Erinnerung wach. Sie nennen Namen. Sie verweisen auf ehemalige Nachbarn. Oft sind sie auch Steine des Anstoßes. Die Rede ist von zehn mal zehn Zentimeter großen Pflastersteinen mit beschrifteten Messingtafeln, die in den Bürgersteig eingelassen sind. Als „Stolpersteine“ erinnern sie Passanten daran, wo einst Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

Die Idee zu den Gedenksteinen stammt vom Kölner Bildhauer Gunter Demnig. Seit langem setzt er sich - nicht selten gegen den Widerstand von Stadtverwaltungen und Hauseigentümern - dafür ein, dass an die Vertreibung und Vernichtung genau an den Orten erinnert wird, wo sie ihren Ausgangspunkt nahmen – nämlich mitten unter uns. Für Demnig ist entscheidend, dass „das Gedenken in unsere Lebensmitte gerückt wird und Erinnerungsmerkmale nicht weitab liegen, wie die zahlreichen nach 1945 entstandenen Gedenkstätten und Mahnmale, die man bequem auch links liegen lassen kann“. Weitere Informationen zu dem Projekt Gunter Demnig finden Sie unter www.stolpersteine.com

Die Initiative „Projekt Stolpersteine im Evangelischen Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf“ will sich dafür einsetzen, dass die Namen dieser und vieler anderer Menschen vor dem Vergessen bewahrt werden. Seit dem Beginn im Jahr 2005 sind nun fast 120 Stolpersteine im Bezirk Zehlendorf verlegt worden.
Eine Auswahl von 55 Steinen mit einigen Fotos der Opfer, so weit sie gefunden werden konnten, ist auf dem Plakat zu sehen, das Sie für 5 € bestellen können. Plakatbestellung

Dem Ziel, alle uns bisher bekannten ca. 320 Opfer in Zehlendorf, dem Vergessen zu entreißen, kommen wir jedes Jahr einen Schritt näher.

Bei einigen der zu ehrenden Opfer gibt es noch Angehörige und so erwarten wir zu den Verlegungen Gäste aus den USA, Peru, Israel, Irland und natürlich Deutschland. Interessant vor allem für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Schicksale recherchiert, Akten gewälzt und sich mit diesem dunklen Teil der deutschen Geschichte beschäftigt haben. Sicher wird es Begegnungsmöglichkeiten geben.

Die große Resonanz auf unser Projekt, das die Gedenkkultur der Spiegelwand des mit Zehlendorf vereinigten Bezirks Steglitz aufnimmt, ist auch der Politik nicht verborgen geblieben. Ein Dank an dieser Stelle an das Bezirksamt, das die Verlegungen regelmäßig unbürokratisch genehmigt.

Wir freuen uns über jede Spenderin und jeden Spender. Eine andere Möglichkeit, das Projekt Stolpersteine zu unterstützen, ist, verlegte Steine im Blick zu behalten und regelmäßig zu reinigen. Auch Menschen, die in den Archiven den so oft im Dunkel liegenden Schicksalen der Opfer nachspüren, werden dringend gesucht.

Aufruf

Wenn Sie Hinweise geben können, wo Menschen lebten, an die „Stolpersteine“ erinnern sollten, dann wenden Sie sich bitte an:
Projekt Stolpersteine im Evangelischen Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf
Michael Rohrmann
Kirchstr. 4, 14163 Berlin
Tel. (0 30) 200 09 40 19
michael.rohrmann@projekt-stolpersteine.de

www.projekt-stolpersteine.de

Letzte Änderung am: 30.03.2017