Interview mit Superintendent Johannes Krug
Interview mit Superintendent Johannes Krug
"Wir können uns selbst nicht genug sein"
Dr. Johannes Krug wird am Sonntag, dem 11. März um 14 Uhr in der Zehlendorfer Pauluskirche in sein neues Amt eingeführt. Am 16. März tritt er seinen Dienst als Superintendent des Kirchenkreises Teltow-Zehlendorf an. Die Paulus Blätter sprachen mit dem 42-jährigen über seine Elternzeit, die Kraft des Gottesdienstes und wie er an neuer Wirkungsstätte starten will.
Herr Krug, Sie sind viel herumgekommen: aufgewachsen in Hannover, Studium in Heidelberg, Studienjahr in Jerusalem, Vikariat in Ostfriesland und Brüssel, Praktika in der Türkei und Palästina. Warum sehen Sie Ihre Zukunft in Berlin?
2003 wurde ich Pfarrer in St. Marien in Mitte und lebe seitdem mit meiner Familie in Berlin. Das soll so bleiben. Ich war erstmals mit 14 in dieser Stadt und war sofort fasziniert. Berlin ist eine grandiose Stadt, in der man immer mehr verpasst als erlebt. Und ihr Umland ist wunderschön.
Haben Sie noch Verbindungen zu Ihrer Heimatstadt Hannover?
Ja, meine Eltern leben in einem Dorf in der Nähe. Ich gehöre auch zu den wenigen Menschen, die Hannover mögen.
Sie sind seit Mai 2011 in Elternzeit. Wie bewerten Sie diese Auszeit aus dem Pfarrdienst?
Früher sprach man noch von "Erziehungsurlaub". Aber ein Urlaub ist das nicht, eher eine Zeit der Fortbildung in sehr unterschiedlichen Bereichen. Dazu zählen vor allem Organisation, Koordination und Dinge gleichzeitig zu tun. Der Umstand, dass meine Frau arbeitet, während ich mich um unseren Jüngsten und die beiden anderen Kinder kümmere, ist auch gut für die Symmetrie einer Ehe.
In Ihrem Lebenslauf für die Kreissynode erwähnen Sie, dass Sie die Reform der sonntäglichen Gottesdienstfeier in St. Marien verantworten. Was verbirgt sich dahinter?
Man muss wissen, dass die Marienkirche am Alexanderplatz für viele sehr unterschiedliche Menschen eine Anlaufstelle ist. Da gibt es die, die aus materieller Not unsere Suppenküche aufsuchen, da gibt es die Kunstinteressierten, die die älteste sakral genutzte Kirche Berlins besichtigen und da gibt es die traditionellen Gottesdienstbesucher. Wir haben uns gefragt, wie können wir diesen unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden. Die Lösung haben wir in einem Zwei-Säulen-Modell gefunden. Die eine Säule bildet der Sonntagsgottesdienst. Gestrafft zwar, ohne Längen, aber gemäß der traditionellen Liturgie. Daneben stellen wir Gottesdienste für die liturgisch Ungeübten. Eine Gottesdienstreihe nannten wir „Totentanz“. Wir luden Menschen von außen ein und baten sie darüber zu sprechen, was wäre, wenn sie wüssten, dass sie bald sterben.
Das klingt spannend. Wie wichtig ist Ihnen der Gottesdienst?
Er ist mir über die Jahre immer wichtiger geworden. Der Gottesdienst hat eine große integrierende Kraft. In ihm können verschiedene Milieus und Lebensstile zusammengeführt werden. Das gelingt aber nur, wenn wir als Kirche erkennbar anschlussfähig bleiben. Wir können uns selbst nicht genug sein. Und dürfen das nach unserem Evangelium auch nicht.
Stichwort: Anschluss. Welche Bedeutung hat für Sie die Ansprache von Kirchenmitgliedern über Medien wie Rundfunk, Fernsehen, Internet?
Wir sollten die unterschiedlichen Gottesdienstformen und die Medien, die sie übermitteln, nicht gegeneinander stellen. Sie haben alle ihren Wert. Einem Rundfunkgottesdienst können Sie beiwohnen, auch wenn Sie unterwegs sind oder krank im Bett liegen. Noch ganz wenig sind wir in den neuen sozialen Netzwerken der Internets vertreten. Es ist eine wichtige Zukunftsaufgabe, dort präsent zu sein.
Was hat Sie nach acht Jahren Pfarrdienst in St. Marien bewogen, sich für das Amt des Superintendenten in Teltow-Zehlendorf zu bewerben?
Pfarrstellen werden inzwischen nur noch auf Zeit vergeben. Sie sind auf zehn Jahre befristet. Dadurch stellt sich notwendig die Frage, was folgt, wenn die Frist vorbei ist. In meinem Fall kommt hinzu, dass ich gehen wollte, bevor sich Routinen einschleichen. Durch die Elternzeit ist die Bereitschaft zu Veränderungen noch gewachsen. Teltow-Zehlendorf ist im Übrigen ein besonders schöner Teil unserer Landeskirche.
Worin sehen Sie den Unterschied zwischen den Gemeinden in Berlin-Mitte und den Kirchengemeinden in Teltow-Zehlendorf?
In Mitte haben wir ein stetes Kommen und Gehen. Hier tauscht die Bevölkerung sich in großem Tempo aus. Zuzüge haben wir zwar auch in Kleinmachnow und generell im Teltower Raum. Aber insgesamt ist bei aller Wandlung mehr Kontinuität, mehr Verwurzelung zu spüren. Das gilt vor allem für den Zehlendorfer Teil. Menschen leben hier häufig seit Generationen.
Wo wollen Sie in Ihrem neuen Amt Akzente setzen?
Das ist eine verführerische Frage. Sie wird mir oft gestellt. Ich bitte aber um Verständnis, dass ich sie jetzt nicht beantworte. Ich will erst einmal zuhören und weniger öffentlich reden. Ich werde zunächst beobachten, mich einlassen und das Leben in Teltow-Zehlendorf kennen lernen. So will ich es bis zur Herbstsynode halten. Vielleicht wollen Sie mir dann diese Frage noch einmal stellen.
Was sagt Ihre Familie zu Ihren beruflichen Veränderungen und zu einem Umzug an den Stadtrand?
Wir haben die Entscheidung gemeinsam getroffen. Meine Frau nimmt in Kauf, dass ihre Arbeitswege deutlich länger werden. Wir wissen auch, dass wir unseren Mikrokosmos aus Schule, Kita, Babysitter komplett umtopfen müssen. Aber wir freuen uns.
Wie gestaltet sich die Suche eines neuen Zuhauses?
Der Zeitpunkt für eine Wohnungssuche in Berlin ist, wie alle wissen, gegenwärtig nicht gerade günstig. Es gibt eine sehr große Nachfrage nach Immobilien, auch aus dem Ausland. Aber ich bin eigentlich immer bis zum Erweis des Gegenteils zuversichtlich.
Das Gespräch führten Lothar Beckmann, Elke Behrends und Frank Steger
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