Projekt Stolpersteine
„Hier wohnte …“ oder Denkmale für Nachbarn
Sie sind klein und unscheinbar, aber sie halten die Erinnerung wach. Sie nennen Namen. Sie verweisen auf ehemalige Nachbarn. Oft sind sie auch Steine des Anstoßes. Die Rede ist von zehn mal zehn Zentimeter großen Pflastersteinen mit beschrifteten Messingtafeln, die in den Bürgersteig eingelassen sind. Als „Stolpersteine“ erinnern sie Passanten daran, wo einst Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden.
Die Idee zu den Gedenksteinen stammt vom Kölner Bildhauer Gunter Demnig. Seit langem setzt er sich - nicht selten gegen den Widerstand von Stadtverwaltungen und Hauseigentümern - dafür ein, dass an die Vertreibung und Vernichtung genau an den Orten erinnert wird, wo sie ihren Ausgangspunkt nahmen – nämlich mitten unter uns. Für Demnig ist entscheidend, dass „das Gedenken in unsere Lebensmitte gerückt wird und Erinnerungsmerkmale nicht weitab liegen, wie die zahlreichen nach 1945 entstandenen Gedenkstätten und Mahnmale, die man bequem auch links liegen lassen kann“.
Die Initiative „Projekt Stolpersteine im Evangelischen Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf“ will sich dafür einsetzen, dass die Namen dieser und vieler anderer Menschen vor dem Vergessen bewahrt werden. Seit dem Beginn im Jahr 2005 sind nun fast 110 Stolpersteine im Bezirk Zehlendorf verlegt worden.
Vortrag Stolpersteine Frühjahrssynode 2012.pdf
Stolpersteinverlegung
Am Sonnabend, dem 12. Mai 2012 um 18:00 Uhr wird ein Stolperstein für Marie Kallmann vor dem Haus An der Rehwiese 12 in Nikolassee verlegt. Marie Kallmann, Jahrgang 1885, war Sozialarbeiterin. Sie wurde am 19.1.1942 deportiert und in Riga ermordet. Ihr Neffe, Helmut Kallmann, konnte mit einem Kindertransport Deutschland verlassen und hat in Kanada überlebt. Durch seinen Eintrag in Yad Vashem haben wir ein Foto von Marie Kallmann.
Für Margarete und Georg Lövy werden am 12. Juni 2012 vor dem Haus Forststraße 31 zwei Stolpersteine verlegt. Die Familie Lövy zog 1922 nach Berlin und kaufte das Haus Forststraße 31. Georg Lövy baute in Berlin die Filiale der Firma S. E. Goldschmidt & Sohn (Chemikalienhandel) auf. Weitere Informationen
Am Montag, dem 18. Juni 2012 wird im Rahmen des Schulfestes der Droste-Hülshoff-Schule ein Stolperstein für Paula Cohn in der Schrockstraße 8 in Zehlendorf verlegt.
Seit 2005 wurden bisher rund 120 Gedenksteine in Zehlendorf verlegt. Einen Auswahl von 55 Steinen mit einigen Fotos der Opfer, so weit sie gefunden werden konnten, ist auf dem Plakat zu sehen, das Sie für 5 € bestellen können.
Dem Ziel, alle uns bisher bekannten ca. 320 Opfer in Zehlendorf, dem Vergessen zu entreißen, kommen wir 2010 also wieder einen großen Schritt näher. Es könnte das erste Drittel geschafft sein.
Bei einigen der zu ehrenden Opfer gibt es noch Angehörige und so erwarten wir zu den Verlegungen Gäste aus den USA, Peru, Israel, Irland und natürlich Deutschland. Interessant vor allem für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Schicksale recherchiert, Akten gewälzt und sich mit diesem dunklen Teil der deutschen Geschichte beschäftigt haben. Sicher wird es Begegnungsmöglichkeiten geben.
Die große Resonanz auf unser Projekt, dass die Gedenkkultur der Spiegelwand des mit Zehlendorf vereinigten Bezirks Steglitz aufnimmt, ist auch der Politik nicht verborgen geblieben. Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Uwe Steglin erwähnte es lobend in seinem Grußwort auf der Kreissynode im November 2009. Ein Dank an dieser Stelle an das Bezirksamt, dass die Verlegungen regelmäßig unbürokratisch genehmigt.
Wir freuen uns über jede Spenderin und jeden Spender, über Menschen, die die verlegten Steine im Blick behalten und den ein oder anderen regelmäßig reinigen oder auch über Menschen, die in den Archiven den so oft im Dunkel liegenden Schicksalen der Opfer nachspüren.
Aufruf
Wenn Sie Hinweise geben können, wo Menschen lebten, an die „Stolpersteine“ erinnern sollten, dann wenden Sie sich bitte an uns.
Kontakt und weitere Informationen
Projekt Stolpersteine im Evangelischen Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf
www.projekt-stolpersteine.de
Kirchstr. 4, 14163 Berlin
Michael Rohrmann
Tel. (0 30) 84 50 81 77
[#michael.rohrmann#projekt-stolpersteine#de#]
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Weitere Informationen unter:
www.projekt-stolpersteine.de
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EJBO
Internetseite der Evangelischen Jugend Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz


